Ich habe zwar SPD gewählt, aber mit Magenschmerzen und ich kann jeden verstehen, der sagt, er sei von der SPD enttäuscht oder hielte sie nicht für glaubwürdig und habe die Linke gewählt.
Das sehe ich genauso. Ich habe noch in der Wahlkabine (bzw. hinter der aufgestellten Pappschachtel
) mit mir gerungen. Die Linke hätte ich zwar nicht gewählt, aber eigentlich sehr gerne die Grünen. Letztlich ist es aus wahltaktischen Gründen doch wieder die SPD geworden. Da bei den Direktmandaten sowieso nichts zu holen war, bestand die Gefahr dass es aus der ganzen Region Trier auch über die Landesliste kein einziger SPD'ler schafft, da Karl Diller nicht mehr angetreten ist und der neue ein extremer Wackelkandidat ist. Er (Manfred Nink) hat's dann über die Landesliste doch ganz knapp geschafft, deshalb bin ich auch froh, dass ich SPD gewählt habe, die Bauchschmerzen sind jetzt geringer.
Was DIE LINKE anbelangt: Die Taktik des 'Aussitzens' ist gescheitert. Die Linke wird nicht verschwinden und sich selbst auflösen, sie ist jetzt da und bleibt auch da. Und es ist keine 5%-rumkrebs-Partei mehr, die man ignorieren kann. Sie hat einen großen Rückhalt in der Bevölkerung und verdient eine ordentliche Auseinanderstzung mit ihr. Auch wenn es heißt, dass man auf Lafontaine und Gysi zugehen muss. Die Partei besteht nicht nur aus ihren Führungspersönlichkeiten, da stehen Millionen Wähler hinten dran die es auch verdient haben, gehört zu werden.
Es muss ein Weg gefunden werden, wie man zusammen kommt. Beide müssen sich aufeinander zubewegen. Nicht nur die SPD muss nach links rücken um sich wieder stärker zu profilieren, auch die LINKE muss sich mit der Wirklichkeit n Deutschland auseinadersetzen. Die Agenda 2010 war schwer zu verdauen, aber sie war und ist eben ein Stück (harte) Realität. Wenn die LINKE irgendwann mitgestalten will, dann muss sie grundsätzlich anerkennen dass unser Land Reformen braucht. Auch solche, die weh tun. Das bei der Agenda alles richtig umgesetzt wurde will ich keinesfalls behaupten, aber sie müssen den Leitgedanken dahinter verstehen und akzeptieren. Denn von einem Rot-Rot-Grün dass die Regierung übernimmt und dann mangels Konsens unser Land zugrunderichtet, hat auch keiner was.
Man ist sich in vielen Punkten doch sowieso im Grundsatz einig: Ein Mindestlohn muss her, Die Bundeswehr muss (perspektivisch!) raus aus Afghanistan, Atomenergie muss weg, dafür in erneuerbare Energien investieren um die Vorreiterposition Deutschlands auszubauen, Investitionen in Bildung insbesondere KEINE Studiengebühren...
Es ließe sich auf jeden Fall ein gutes gemeinsames Programm der Opposition auflegen, wenn jeder einen kleinen Schritt auf den anderen zubewegt.
In 4 Jahren kann auch viel passieren. Merkel ist beliebt, weil sie nichts tut, was irgendwo anecken könnte. Sie ist aber auch eine Langweilerin, die Verwalterin der Krise. Wenn die SPD es schafft jemand unverbrauchten zu pushen, jemand mit Energie und Visionen, dann kann man noch verhindern dass Merkel ihrem Ziehvater Kohl nacheifern kann. 16 Jahre Merkokratie wäre mehr, als unser Land verkraften kann...