Das Problem hier mit der Diskussionskultur im Forum ist, dass bei einem solch sensiblen Thema wie diesem hier einige sehr schnell damit bei der Hand sind, sich auf einen moralischen Sockel zu stellen und anderen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz vorzuwerfen, weil diese anderen offen darüber sprechen, dass sie gewisse Ängste und/oder Vorbehalte haben.
Es ist aber niemandem damit geholfen, wenn man sich moralisch überhöht und dann mit der verbalen Keule auf andere eindrischt. Letzten Endes tut man nämlich damit strenggenommen nichts anderes als das, was man als vermeintlich moralisch besserer Mensch den Leuten vorwirft, die man samt und sonders der Fremdenfeindlichkeit und des Rechts-seins bezichtigt: Man schert sie über einen Kamm und diskriminiert sie als rechtsradikal.
Was aber für eine solche Diskussion notwendig ist, ist, dass man sich sachlich und möglichst emotionsfrei mit den aufgeworfenen Problemen auseinandersetzt. Dazu gehört dann auch, dass man Meinungen, die einem nicht gefallen zunächst einmal respektiert und zur Kenntnis nimmt und sich dann überlegt:
a) Woher könnten diese Ansichten bzw. Ängste und Vorbehalte kommen
Was könnte man tun, um in einem offenen Diskurs konstruktive Lösungen zu erarbeiten.
Mich stört es einfach, dass in politischen Diskussionen, die hier schon sehr oft geführt wurden, diese Gesichtspunkte viel zu sehr vernachlässigt werden. Denn man sollte sich fragen, warum man eine Diskussion führt: Weil man ein Problem lösen/darüber konstruktiv Meinungsaustausch betreiben will, oder weil man die Diskussion dazu benutzen will, sich als moralisch besseren / politisch korrekteren Menschen darzustellen um andere als moralisch unterlegen bezeichnen zu können. So eine Haltung bringt nämlich die Gemeinschaft nicht weiter, sondern dient nur demjenigen selbst.
Da ich mich durch den ersten Teil diesen Absatz auch angesprochen fühle, möchte ich auch hierauf eingehen. Es mag stimmen, dass ich bei gewissen Themen der Meinung bin, dass Vertreter der Gegenseite unmoralisch argumentieren und ich moralisch. Aber dies spielt für mich in diesen Momenten bei der Argumentation keine besonders große Rolle. Vor Moraldiskussionen habe ich noch weitaus mehr Respekt, als vor Politikdiskussionen. Also versuche ich, Moral aus meinen Argumenten auszuklammern - ich habe bei fremdenfeindlichen Themen bspw. oftmals das Thema "ökonomische Folgeschäden" angesprochen, obwohl ich selbst dies reichlich daneben finde. Ich möchte in diesen Momenten einfach nicht sagen "Man darf aus moralischen Gründen niemanden töten, oder aufgrund seiner Herkunft diskrimineren, etc.".
Ich habe aber ganz sicher weder die Absicht mich zu überhöhen, noch habe ich etwas davon, wenn dies in der Fremdwahrnemung so interpretiert wird.
Mir schwillt bei diesen Diskussionen immer ganz gewaltig der Kamm, toll finde ich weder das, noch "befriedigt" es mich, eine gewisse Haltung zu vertreten und andere dabei zu kritisieren.
Ich gehe mal mit gutem Beispiel voran und sage mal, was ich vorschlagen würde, um Muslime besser zu integrieren und Vorbehalte abzubauen:
Verabschiedung von gesetzlichen Regelungen, die für die Bundesrepublik folgendes festsetzen:
a) Allgemeiner Religionsunterricht für alle Schüler an deutschen Schulen in deutscher Sprache
Predigten in islamischen Gebeten und Gottesdiensten sind in deutscher Sprache abzuhalten. Werden Suren aus dem Koran in Originalsprache zitiert, so sollen auf einem Monitor deutsche Untertitel eingeblendet werden
c) Zusammenfassung aller islamischen Moschee-Gemeinden in einem, höchstens zwei Verbänden mit entsprechenden Ansprechpartnern
d) verbindliche Ausbildung von Imamen im Rahmen eines Studiums der islamischen Theologie an deutschen Hochschulen in deutscher Sprache als zwingende Voraussetzung für eine Gemeindetätigkeit
Diese Maßnahmen hätten zwangsläufig mehr Transparenz zur Folge und würden Ängste abbauen. Denn die Hauptbarriere ist und bleibt die Sprache. Was man nicht versteht, ängstigt einen.
Und es wäre nicht zu viel verlangt, die deutsche Sprache zu lernen. Denn Sprache hat mit Religionsfreiheit nichts zu tun.
Auch ich finde es wichtig, über das Thema und die diffusen Ängste der Europäer zu diskutieren statt sie zu tabuisieren. Zu deinen Punkten:
a) Einen allgemeinen Religionsunterricht fände ich gut. Bislang war ich gegen jede Form von Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, aber das erscheint mir auch als gute Idee. Ich fand die Trennung "katholisch" und "evangelisch" eh schwachsinnig, wo man doch auf Grundlage der gleichen Texte unterrichtet wird. In einem Fach "Vergleichende Religionslehre" können somit Einzelheiten der Religionen und Gemeinsamkeiten/Unterschiede unter ihnen gelehrt werden. Man könnte in einem Jahr beispielsweise die monotheistischen Religionen behandeln und in einem anderen Schuljahr asiatische Religionen (Buddhismus, Hinduismus) besprechen und dann über den Taoismus von fernöstlichen Philosophien zur europäischen Moralphilosophie überleiten und diese mit den Weltreligionen kontextualisieren. Kurz: Guter Vorschlag.
Ich glaube nicht, dass eh schon säkularisierte Christen, die den Islam ablehnen, diese Gottesdienste besuchen würden. Nichtsdestotrotz ist der Vorschlag vernünftig. Allerdings sollten dann sämtliche Predigten zweisprachig vorliegen, aus Rücksicht auf diejenigen, die Probleme mit der deutschen Sprache haben. Diese Maßnahme sollte dann aber auch für alle anderen Predigten in Deutschland gelten, die nicht auf deutsch gehalten werden.
c) Dieses Problem der Repräsentation wird ja schon seit Jahren zu lösen versucht. Allerdings ist dies aufgrund der vielen Strömungen schwierig. Vielleicht würde es auch schon reichen, einen sunnitischen Verband mit einer legitimierten Führung zu gründen, da diese die Mehrzahl an Muslimen stellen.
d) Auch dieser Vorschlag ist gut und nur logisch. Es kann nicht sein, dass Imame "importiert" werden, die Land und Leute nicht kennen, und demzufolge die Lebensumstände ihrer Gemeinde nicht kennen können. Dies führt nicht zu einer Annäherung an die Mehrheitsgesellschaft, sondern zu einer Abkapselung. Da es mittlerweile an fast allen relevanten Hochschulen in Deutschland ein Institut für Islamwissenschaften gibt, sollte die Nachwuchsrekrutierung für diesen Beruf kein Problem darstellen. Allerdings erzielt man hierin eine Ungleichbehandlung, da bspw. katholische Priester durch die kath. Kirche ausgebildet werden und nicht durch den Staat. Also sollten dann auch Priesterseminare als Legitimation zur Predigt keine Gültigkeit mehr haben
Ich möchte noch einen Vorschlag ergänzen, der nicht ausschließlich zu diesem Thema gehört, es aber maßgeblich mitbeeinflusst.
Und zwar sollte es
e) verbindlichen Deutschunterricht für alle neuen Migranten in den ersten 24 Monaten des Aufenthaltes geben. Dieser Unterricht sollte den Migranten als kostenfreie Dienstleistung zur Verfügung gestellt werden (Finanzierung durch Staat, einschlägige Stiftungen, etc.) und in der Schulzeit wöchentlich 4 Stunden beanspruchen. Die Zeiten des Unterrichtes müssen breit gefächert sein, so dass berufstätige und schulpflichtige Menschen diese auch in Anspruch nehmen können (idealerweise werden Berufstätige hierfür von ihrer Firma freigestellt). Das Hauptproblem an dieser Maßnahme ist klar der Faktor der Verbindlichkeit. Man kann niemanden zwingen zu lernen. Man kann aber monetäre Sozialstaatsleistungen von einer Inanspruchnahme dieser Dienstleistung abhängig machen. Ein weiteres Problem ist die flächendeckende Verfügbarkeit dieser Dienste. Hier sind vor allem Volkshochschulen gefordert und man könnte auch Sprachlehrer staatlicher Schulen und Weiterbildungseinrichtungen von Hochschulen mit einbeziehen.