Henkes End-Spiel
FUSSBALL: Jäggi sieht Mannschaft und FCK -Trainer in einem Boot
KAISERSLAUTERN (zkk). „Das wird ein Endspiel!" Mit diesem Vorsatz bestreitet Michael Henke, der Trainer des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern, ab heute die Vorbereitung seiner Mannschaft auf das Schlüsselspiel gegen den 1. FC Nürnberg.
Gestern war trainingsfrei, aber kein blauer Montag bei den „Roten Teufeln". Der Krisenstab tagte. „Wir haben viele intensive Gespräche geführt, auch mit Spielern. Wir sind uns einig, dass wir hier alle in einem Boot sitzen und versuchen zusammen da raus zu kommen. Ohne Wenn und Aber", erklärte René C. Jäggi, der Vorstandsvorsitzende, gestern Abend.
„Ich glaube an die Mannschaft - auch jetzt noch", versicherte Jäggi. Das hatte sich nach der Pleite in Berlin noch ganz anders angehört ...
Rückendeckung gibt dem ins Schussfeld der Kritiker gerückten Trainer der Vereinschef. „Ich bin nicht amtsmüde. Ich bin nicht auf der Flucht und ich resigniere auch nicht. Ich habe nur keinen Bock, den Trainer zu wechseln, weil ich die Notwendigkeit eines Wechsels nicht sehe! Und weil ich überzeugt von Henkes Arbeit bin", betonte Jäggi.
Seine Äußerungen am Samstag nach der desaströsen Vorstellung einer Mannschaft, die sich in Berlin als 1. FC Kaiserslautern ausgegeben hatte, aber sorgten für massive Unruhe. Und neue Spekulationen, Jäggi bereite den Abgang vom sinkenden Schiff vor. „Ja, ich habe gesagt, dass ich keine Lust habe, immer wieder neues Geld zu besorgen und die Verträge werden von den Spielern nicht eingehalten. Wenn ich Leistungen wie in Berlin sehe ...", monierte Jäggi das Preis-Leistungsverhältnis. „Bild am Sonntag" hatte Jäggi dabei mit dem Satz - „Da mache ich lieber einen Kindergarten in Afghanistan auf" - zitiert. „Ich habe Kinderdorf gesagt", berichtigte Jäggi eine Nuance.
Henkes Sonntagsausflug ins Nürnberger Frankenstadion - eine hilfreiche Pflichtübung: „Auf der Tribüne sieht man immer ein bisschen mehr als auf Video oder im Fernsehen. Es war eine ganz gute Erfahrung." Aus FCK -Sicht gab"s auch noch das passende Resultat: Der 1:0-Sieg des VfB Stuttgart ließ wenigstens den „Club" in der Tabelle hinter den Lauterern. Zumindest bis zum 19. November ...
Der Dienstreise voraus ging Henkes Sonntagspredigt, die Aufarbeitung des Debakels von Berlin mit der Mannschaft. Die repräsentierte Routinier Christian Nerlinger in der SWR-Sendung „Flutlicht" mit bemerkenswerter Offenheit: „Wir haben als Mannschaft versagt. Die Kritik, die auf uns niederprasselt, ist berechtigt!"
„Ich habe aufgezeigt, was nicht gut gelaufen ist. Wir sind unseren Ansprüchen nicht gerecht geworden. Man kann in Berlin verlieren, das werden die meisten Mannschaften auch erleben. Nur so, wie wir aufgetreten sind, darf man nicht verlieren", stellt Michael Henke fest, wohl wissend , dass die Videoanalyse wie Folter ist, ein fußballerischer Horrorfilm. Die Fehlpassquote - das war fußballerischer Suizid!
In einem Interview mit René C. Jäggi, das das „Kicker-Sportmagazin" gestern veröffentlicht hat, prangerte der Vorstandsvorsitzende den Lebenswandel von FCK -Lizenzspielern an. „Die Mannschaft ist nicht so gut, wie sie sich selbst sieht. Auch der Lebenswandel ist bei einigen nicht so gut, wie es für einen Profi selbstverständlich sein müsste", wird Jäggi zitiert. „Ich habe nicht gesagt, dass wir irgendwen auf irgendwelchen Sauftouren erwischt haben. Unter Lebenswandel verstehe ich auch die Einstellung eines Profis zu seinem Beruf. Profis wie Oliver Kahn ordnen dem Erfolg alles unter. Bei uns gibt es viele, bei denen viele Dinge mindestens genau s0 wichtig wie der Fußball sind", stellte Jäggi klar.
Die Fitness- und Laktattests geben nach Henkes Aussagen keinen Hinweis auf unsoliden Lebenswandel der Profis: „Die Mannschaft ist fit." Die objektiven Werte seien gut, aber kein Beweis dafür, dass es keine Sündenfälle gebe. „Ich kann als Profi auch mal ein Bierchen trinken. Aber wenn ich raus bekäme, dass unsolide gelebt wird, dann würde ich dazwischen schlagen", sagte der Trainer.
Spekulationen, dass Ex-Profi Oliver Kreuzer, zuletzt Teammanager des FC Basel, Olaf Marschall beim FCK ablösen werde, oder beim FCK in anderer Funktion engagiert werde, dementierte Jäggi: „Oliver Kreuzer hilft uns und mir aus Freundschaft mit Tipps, auch im Scouting. Ein Engagement Kreuzers schließt Jäggi nicht vollends aus: „Im Fußball kann vieles passieren."
SCHOEPU / SCHOEPU
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ