Am Tag eins nach Henke Sforza-Comeback vorbereitet
FUSSBALL: FCK -Kapitän Marco Engelhardt hofft auf schnelle Lösung der Trainerfrage - Wolfgang Wolf vor der Heimkehr
KAISERSLAUTERN (zkk). Der 1. FC Kaiserslautern ist Letzter, was die Elf beim 1:3 (1:1) gegen den 1. FC Nürnberg angeboten hat, war das Letzte! Nach 13 Spieltagen ist der FCK auf dem Tiefpunkt, der Vulkan Betzenberg ist - wie in „Sonntag Aktuell" berichtet - ausgebrochen. Seit Samstag, 17.52 Uhr, ist nichts mehr, wie es noch um 15.30 Uhr war: Trainer Michael Henke und Co-Trainer Manfred Rauscher haben sich gestern von der Mannschaft verabschiedet.
„Es ist nicht so einfach zu erleben, wenn ein Trainer geht. Er hat sich für die Zusammenarbeit bedankt, hat jedem einzelnen alles Gute gewünscht. Er ist einer der wenigen Trainer, die sehr menschlich sind, offen für jeden und für jedes Problem", beschrieb FCK -Kapitän Marco Engelhardt den Tag eins nach der Entlassung.
„Die Mannschaft hat nicht so schlecht gearbeitet wie der Tabellenplatz ist. Die Zusammenarbeit war aber auch nicht optimal, sonst hätten wir mehr Punkte geholt", sagte Michael Henke. Er wollte gestern einen „geordneten Rahmen" für eine letzte Ansprache an die Mannschaft nutzen. Henke: „Ich bin fest überzeugt, dass die Mannschaft nicht absteigt, wenn sie sich auf ein Ziel einschwört und sich nicht von Außen beeinflussen lässt. Sie müssen sich als Mannschaft beweisen. Dieser Effekt muss aus der Mannschaft kommen."
Henke und Rauscher sagten Servus, Torwarttrainer Gerald Ehrmann und Physiotherapeut Kay Friedmann, Mitglieder der Meistermannschaft von 1991, luden die Profis danach zum Waldlauf. Die Suche nach einem Nachfolger Henkes läuft: Favorit ist der am 31. Oktober beim 1. FC Nürnberg entlassene Wolfgang Wolf. Schon im Frühjahr stand „Wolle" Wolf auf der Kandidatenliste von René C. Jäggi ganz oben, aber beim „Club" im Wort ...
„Auf der einen Seite ist es negativ, wie der FCK jetzt da steht. Auf der anderen Seite ist es die Chance, etwas Neues zu probieren, damit sich etwas zum Positiven verändert. Für uns als Spieler heißt das, sich zu 100 Prozent auf die Aufgabe auf dem Platz zu konzentrieren, für die wir bezahlt werden", sagte Kapitän Engelhardt. Dass die Mannschaft allen Beteuerungen zum Trotz erneut versagte, vermag auch der 24-Jährige nicht zu erklären: „Wir spielen, vor allem daheim, viel zu ängstlich."
„Für uns ist jetzt jedes Spiel ein Endspiel. Das muss jetzt jeder begreifen. Wer den Abstiegskampf kennt, der weiß, dass man dann auch im Privatleben wenig Spaß hat. In Kaiserslautern ist das noch extremer", erkannte der Mittelfeldmann: „Die Blockade muss aus dem Kopf raus, damit wir in der Winterpause nicht schon hoffnungslos abgeschlagen sind. Wir als Mannschaft brauchen jetzt schnell eine neue Führung, sprich einen neuen Trainer."
Der künftige Trainer wird entscheiden, ob es ein Comeback des nach interner Kritik an Cheftrainer Henke suspendierten Ciriaco Sforza (35) geben wird, sagte gestern Abend der noch amtierende Vorstandsvorsitzende René C. Jäggi.
„Wolfgang Wolf oder Klaus Toppmöller. Einer von den beiden würde dem FCK gut tun", empfahl Hans-Peter Briegel aus dem fernen Tirana. Der albanische Nationaltrainer, der 2003 nach seinem Zerwürfnis mit Jäggi und Teilen des Aufsichtsrates erst aus dem Gremium, dann aus dem Verein ausgetreten ist, hat mit dieser Entwicklung beim FCK gerechnet. „Das war abzusehen. Die Sanierung war wichtig, darf aber nicht so extrem auf Kosten der Mannschaft gehen. Dann wurden eine Reihe völlig untauglicher Spieler verpflichtet", urteilte Briegel.
Hans-Peter Schössler, der Präsident des Kaiserslauterer WM-Organisationskomitees, träumt den Traum der Aussöhnung mit Briegel, der auch seinen Vereins-Ehrenring zurückgegeben hat. „Wenn der FCK eine andere Führung hat, dann werde ich auch wieder in den Verein eintreten und helfen. Aber nicht mit Ruda! Ich werde aber nie wieder ein bezahltes Amt in dem Verein annehmen", erklärte Briegel. Axel Roos, Briegels Co-Trainer bei der albanischen Nationalmannschaft, erklärte, bei der Aufsichtsratswahl am 5. November 2002 habe er den damaligen Kandidaten Walter Ruda legitimiert, „sich auf mich zu berufen. Das war ein Fehler! Ruda ist nicht der richtige Mann als Aufsichtsratsvorsitzender. Ich verfolge den FCK aus der Ferne, es ist nicht besser, es ist alles noch viel schlimmer geworden", urteilte der einst als „treuer Axel" beim FCK hoch geschätzte Profi.
„Ich habe nie gesagt, dass ich nicht mehr für den FCK spielen werde. Mein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2006, ist nicht aufgelöst, ich habe mein Gehalt bekommen", sagte Ciriaco Sforza gestern. Als Lüge bezeichnete er die Behauptung eines Premiere-Reporters, Sforza habe sich unmittelbar nach dem 1:3 gegen Nürnberg bei einem Aufsichtsratsmitglied für ein Comeback angeboten.
Mit Krafttraining, Schwimmen und Joggen versucht sich Sforza seit seiner Suspendierung fit zu halten. „Klar ist, ich habe vier Wochen nicht gespielt", sagte Sforza, der es nach seiner Aussage leid ist, „seit zwei Jahren als Alibi für alle Probleme in Mannschaft und Verein herhalten zu müssen". „Ich bin zum dritten Mal zum FCK gekommen, habe nach zwei Operationen ein Comeback geschafft. Wenn man mich braucht, bin ich sofort da! Wer mich wirklich kennt, der weiß, wie ich denke, der weiß, dass ich nur eins will: Erfolg mit dem FCK ! Wo wir jetzt stehen, müssten wir nicht stehen ... "
KONZOKH / KONZOKH
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ