Was kann man auch von einem Trainer erwarten, der in einer solchen Sommernacht ein Unterhemd trägt? Und es hervorlugen lässt, das Untertrikot, in der Nacht der Nächte aufblitzen lässt unter der Klubjacke, dem Designerhemd, dem schweren Tuch des Made in Italy? Ja, ist denn November? Waren denn Stürme zu befürchten, Temperaturstürze, Hagelschauer, alles das, was eine italienische Mutter zu dem Spruch veranlasst hätte, den Generationen von Italienern verinnerlicht haben: Und zieh dein Wollhemd an. - Aber es ist Mitte Juni, Mamma. - Robertino, man weiß nie. Am Ende fühlst du kalt am Bauch.
"Unterhemd! Das hätte Lippi niemals getan", lästert die Gazzetta. Noch nicht mal im November! Was Lippi auch nicht getan hätte: Toni Torlos 120 geschlagene Minuten auf dem Platz lassen, Simone Perrotta viel zu lange beim Stolpern zusehen, Daniele De Rossi anstatt Alessandro Del Piero den dritten Elfmeter schießen lassen. Was Lippi sicher nicht geboten hätte: Gegen Spanien zwei Stunden mauern, mörteln, murksen. Vier EM-Spiele ohne ein einziges Stürmertor - ach was: Ohne ein einziges Tor aus einer Offensivattacke. Und später sagen: "Wir gehen erhobenen Hauptes. Auf dem Platz wurden wir nicht besiegt. Es tut mir Leid für die Tränen der Jungs."
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In den nächsten Tagen werde es ein Treffen mit dem Commissario Tecnico geben, hat Verbandschef Giancarlo Abete angekündigt. "Ich würde nicht sagen, dass dies die EM von Donadoni war. Es war die EM der Italiener", erklärte Abete. Er hatte Donadonis Vertrag erst 14 Tage vor dem Turnier unterschrieben, das wurde allgemein nicht als Vertrauensbeweis gewertet. Der Kontrakt gilt bis 2010.
"Ich denke gar nicht daran, zu gehen"
Und Marcello Lippis Rückkehr scheint trotzdem ausgemachte Sache zu sein. Der Weltmeistertrainer hatte in den vergangenen Monaten immer wieder mal signalisiert, dass ihn die viele Freizeit in seinem Heimatort Viareggio an der toskanischen Küste nun doch ein wenig langweile. Donadoni blockte am Abreisetag alle Rücktrittsgerüchte ab: "Ich denke gar nicht daran, zu gehen. Bis jetzt bin ich dazu auch gar nicht aufgefordert worden. Wenn ihr frischere Nachrichten habt, lasst es mich wissen." Ein bisschen mehr Glück beim Elfmeterschießen hätte gereicht, so Donadoni, "und die Mannschaft würde in den Himmel gelobt".
Nicht ganz. Denn ein bisschen mehr Glück als Kirsche auf der Verhinderungstorte all’italiana - das ist mittlerweile selbst in Italien einfach zu wenig. Es hat sich nämlich herumgesprochen, dass Fußball kein Synonym für Leiden und Hoffen ist. Vor allem, wenn man dazu das Unterhemd auszieht.