Da kann man nicht modsen
Hab in RP Speyer Ausgaben nur folgende Leserbriefe gefunden:
Verfolgungsjagd
„Verdrehtes Weltbild"
Zum Leserbrief von Hermann Jaberg über den Tod des 19-Jährigen, der nach einer Verfolgungsjagd durch Speyer durch die Kugel eines Polizisten starb:
„Er suchte eine Heimat hier bei uns. Er hat sie nicht gefunden", so stand es in einem Leserbrief. Vielleicht ist er deshalb mit 150 Stundenkilometern durch die Stadt gefahren, weil er immer noch auf der Suche war?!
Im Ernst: Wie hätte der Federheld dieser Prosa reagiert, wenn sein eigen Fleisch und Blut unter dem Auto des mehrfach wegen Gewaltdelikten aufgefallenen Deutsch-Russen gelegen hätte oder sein Sohn in Polizeiuniform zwischen zwei Autos eingeklemmt worden wäre?
Und was wäre, wenn die Polizei schließlich das getan hätte, was der Schreiberling uns zwischen den Zeilen vermitteln will - wegschauen und den armen Täter einfach ziehen lassen? Wie wäre dann der Duktus des Autors ausgefallen? Hätte er womöglich um Hilfe gerufen „mit wundervollem, hoffnungsfrohem aber betroffenem Gesicht", wie es in dem Leserbrief steht? Wie soll das weitergehen?
In welcher Welt leben wir eigentlich? Wer denkt an die beteiligten Polizisten in diesem Zusammenhang, an deren Familien? An deren Angst? An die Todesangst bei der Ausübung ihres Berufes?
Wie würde die Welt ohne Polizisten aussehen? Wer würde dann ganz schnell nach ihnen rufen?
Wohl die, die sie jetzt in die Pfanne hauen wollen mit ihrem verdrehtem Weltbild von Tätern und Opfern. Wie kann man so ungerecht sein und eine Situation so falsch darstellen? Und somit dem Unrechtsbewusstsein in unserem Staat auch noch neue Nahrung geben? Leider gibt es immer mehr Leute, die ihren geschriebenen Zeilen nur resigniert hinterher schauen können.
Ich schäme mich aufrichtig für den Leserbrief von Herrn Jaberg.
Gerald Kollek
Herdstraße 35, Speyer
„Was folgt, war
reine Notwehr"
Es ist immer sehr tragisch, wenn ein Mensch zu Tode kommt, aber woher nehmen solch „professionellen Gutmenschen" wie Herr Jaberg sich das Recht heraus, das Vorgehen der Polizei zu beurteilen. Man kann ja durchaus versuchen, sich Menschen schön zu reden, aber folgende Fakten stehen dagegen.
1.) Der junge Mann war mehrfach wegen Drogenkonsums und Gewaltdelikten auffällig geworden, ergo kein gutes Vorbild für die Jugend, ein Drogen konsumierender, aggressiver Boxer.
2.) Er riskierte sein Leben, das seiner Freunde und jedes Menschen auf der Straße. Bei Tempo 150 - Null Überlebenschance für Fußgänger.
3.) Menschen, die uns Bürger vor solchen rasenden Zeitbomben schützen sollen, versuchen ihn zu stoppen.
4.) Im Gegenzug versucht er einen Beamten durch mehrfaches Hin- und Herfahren zu verletzen oder gar zu töten.
5.) Was folgt war reine Notwehr!
Wäre der Polizist gestorben, hätte dann unser aller Gutmensch auch noch von einem hoffnungsvollen Menschen (nämlich dem Täter) gesprochen, und der Polizist hätte lediglich Pech gehabt?
Denken Sie darüber mal nach, lieber Herr Jaberg, und träumen Sie sich weiterhin das Leben schön.
Ilona Jach
Eichenweg 6 a, Speyer
„Ein Schlag ins
Gesicht"
Wie soll das weitergehen ?
Neben weichspülendem Gesülze und der Demonstration seiner sachlichen Unkenntnis in seinem Leserbrief, Herr Schineller ist zwar Herr der Ortspolizeibehörde Speyer, nicht aber der Vollzugspolizei, hat Herr Jaberg nichts anderes im Sinn, als diese Tragödie auch noch politisch auszuschlachten. Das ist nicht nur unsachlich, sondern niederträchtig und ein Schlag ins Gesicht aller Beteiligten. Ich wünsche allen Betroffenen und deren Anverwandten, insbesondere dem verletzten Polizisten und dem, der gezwungen war, die Schusswaffe einzusetzen, baldige Genesung und die Fähigkeit, das Geschehene zu bewältigen.
Gerhard Wollnik
Am Hofgraben 13a, Dudenhofen
„Verletzte Polizisten
unterschlagen"
Herr Jaberg unterschlägt diskret die drei verletzten Polizisten, die wohl auch wie er verheiratet sind und Kinder haben, zu denen sie gesund heimkommen möchten und für die ich an dieser Stelle Partei ergreifen möchte. Außerdem ist Herr Jaberg wohl nicht in der Lage zu beurteilen, was die schlechten Erfahrungen sind, die die Jugendlichen mit der Polizei gemacht haben könnten. Die Frage an Herrn Schineller ist wohl eher der politischen Seite des Herrn Jaberg zuzuordnen, da der Oberbürgermeister nicht für die Handlungen der Polizei verantwortlich gemacht werden kann.
Dem Leserbrief des Herrn Jaberg ist mal wieder klar und deutlich zu entnehmen, dass die Politik unsere Polizei, sobald etwas passiert, allein im Regen stehen lässt.
Udo Walter
Schwerdstraße 51, Speyer
„Samthandschuhe
gegen Dornen"
Zur Berichterstattung über die Demonstration vor der Polizeiwache:
100 Jugendliche demonstrierten. Wofür? Dafür, dass die Polizei ihre Arbeit verrichtet hat? Dafür, dass die Polizei das getan, wofür sie bezahlt wird, nämlich die Bürger vor Verbrechern zu schützen? Deswegen sind auch Beschimpfungen von Gesetzeshütern nach einem solchen Fall fehl am Platz. Diese Demonstration galt einem so genannten amtsbekannten Gesetzesbrecher, einem jungen Mann, der trotz sportlicher Betätigung Straftaten verübte. Der auch keine Achtung vor Menschenleben zu haben schien, obwohl dieses doch vor allem in solchen Kampfsportarten wie Boxen gelehrt wird.
Ein Verbrecher, der mit hoher Geschwindigkeit ohne Rücksicht auf Verkehrszeichen durch eine Stadt jagte und dabei den Schaden von Menschenleben in Kauf nahm, ein Verbrecher, der Polizeiautos zu Schrott fuhr ohne Rücksicht, ob noch Personen darin waren, ein Verbrecher, der einen Polizisten einklemmte und dessen Leben gefährdete.
Wenn ein solcher Verbrecher sich der Kontrolle der Polizei entzieht, was soll sie anders annehmen, als dass er Dreck am Stecken hat. Da er auf zwei Warnschüsse in die Reifen nicht reagierte, hat der Gesetzeshüter, um Schlimmeres zu vermeiden, auf den Fahrer geschossen, jedoch nicht in der Absicht, ihn zu töten. Das hat er auch nicht. Deshalb hat er ihn auch nicht erschossen, wie im Artikel geschrieben, sondern angeschossen. Leider ist er seinen Verletzungen erlegen.
Als so genannte „amtsbekannte Person" konnte die Polizei hier vom Schlimmsten ausgehen, nämlich dass der Junge selbst bewaffnet ist. Deshalb finde ich die Aktion auch nicht überzogen. Und bei einer schnellen Reaktion, die hier vonnöten ist, kann nicht sekundenlang das Ziel, sprich die Person, angepeilt werden, um laterale Schäden zu vermeiden. Hier zählt nur er oder ich.
Mir tut jetzt schon der Polizist leid, der nur seinen Dienst in der ihm zugedachten und erwarteten Weise verrichtete. Er wird beweisen müssen, dass er einen Verbrecher nur aus Versehen schwer verwundet hat. Wahnwitz deutscher Beweisführung. Wir Bürger verlangen von der Polizei, dass sie uns vor solchen Verbrechern schützt. Wenn sie es aber macht, dann nur mit Samthandschuhen gegen Dornen. Und wehe, ein Dorn wird abgebrochen.
Wir sollten uns schon klar werden, was wir wollen: einen wirksamen Schutz gegen Verbrecher mit der Konsequenz, dass ein solcher auch mal stirbt, oder eine Polizei, die aufpasst, dass ja niemand zu Schaden kommt, vor allem die nicht, die uns am Ende mal Schaden zufügen könnten. Hermann Grundhöfer
Im Vogelsang 2, Harthausen
„Herkunft überhaupt
von Bedeutung?"
Zum Bericht „Bumen, Beschimpfung und Betreuung" in der RHEINPFALZ vom Montag, 18. Juni:
Gewünscht hätte ich mir die gleiche sachliche Berichterstattung wie in der „RHEINPFALZ" vom 17. Juni 2007: „ein 19-jähriger Autofahrer", „ein Speyerer Bürger".
Welche Aussagekraft für den Tathergang hat die Erwähnung, dass es sich um einen Deutsch-Russen (heißt es nicht Russland-Deutscher?) handelt?
Ist in solchen für alle Betroffenen tragischen Fällen Herkunft,
Nationalität überhaupt von Bedeutung?
Wir alle, auch die Medien, sollten, wenn Integration gelingen soll, reflektierter und verantwortungsbewusster mit Informationen umgehen.
Ursel Gerner
Landauer Warte 11, Speyer
WILZEKM
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Speyerer Rundschau
Ausgabe: Nr.140
Datum: Mittwoch, den 20. Juni 2007
Seite: Nr.14