„Nach unten geht es immer ganz schnell”
Porträt: Thanos Petsos, 20-jähriger Deutsch-Grieche, über seine Jugend, seinen Weg zum Bundesligaprofi und sein Leben in Kaiserslautern
Es ist Samstagabend. Der 1. FC Kaiserslautern kehrt mit einer 2:0-Niederlage aus München zurück. Thanos Petsos und Itay Shechter besuchen im Trainingsanzug einen Kaiserslauterer Dönerladen und trinken eine Dose Cola. Ich darf mich zu ihnen setzen. Shechter tippt in hebräischer Schrift etwas in sein Smartphone und fährt kurz darauf weg. Petsos bleibt und erzählt über das Leben eines Profi-Fußballers. Tage später treffe ich ihn zwischen zwei Trainingseinheiten im Fritz-Walter-Stadion.
Lässig sitzt er da, im Trainingsanzug, auf dem weißen Lederstuhl auf der Ebene 1900 mit Blick über die Stadt. Während ein paar Gäste mit ihren Tellern zum Buffet schlürfen, ist Thanos Petsos in Gedanken ganz woanders. Zurück in seiner Kindheit. Auf dem Bolzplatz, auf den es ihn früher jeden Tag gezogen hat. Er erzählt vom Kicken mit Freunden und mit seinem Vater. Der Deutsch-Grieche war acht, als er das erste Mal in einem Fußballverein spielte. Er hatte seinen Mit- und Gegenspielern trotzdem schon einiges voraus. „Mein Vater hat mir vieles beigebracht. Ich denke, das hat mir den Weg geebnet, ein guter Spieler zu werden”, sagt Petsos.
Jupp Heynckes, damaliger Trainer von Bayer 04 Leverkusen, machte Thanos Petsos zum Bundesligaspieler. Ausschlaggebend waren Petsos' Leistungen in seiner letzten A-Jugend-Saison, in der er als Innenverteidiger neun Treffer erzielte. „Ohne die Unterstützung meiner Familie wäre ich nie so weit gekommen. Die Kombination zwischen Schule und Fußball war nicht einfach”, gibt Petsos zu. „Meine Eltern haben mich jeden Tag ins Training gefahren” - von Düsseldorf nach Leverkusen. An fast jedem Wochenende war er auf Turnieren unterwegs. Mit der Schule war das nicht immer leicht zu vereinbaren. Petsos: „Ein paar Lehrer haben gesagt entweder Schule oder Fußball, weil sie nicht gesehen haben, dass das ein normaler Beruf ist.” Der ehemalige Düsseldorfer wiederholte die zwölfte Klasse und bestand 2010 sein Abitur.
Im Sommer 2010 desselben Jahres wechselte Petsos auf Leihbasis zum 1. FCK. Die Verantwortlichen von Bayer hätten ihm dazu geraten. „Es besteht da eine hohe Kommunikation. Das ist mir sehr wichtig, denn hier geht es um mich als Fußballspieler”, sagt er. Petsos wusste früh, was er wollte. „Für mich war das Ziel von Anfang an, Profi zu werden”, sagt er.
Inzwischen hat er eine Wohnung in der Nähe der Uni, hat neue Freunde gefunden. „Lakic war wie ein großer Bruder für mich”, sagt er, und es klingt ein wenig wehmütig, wenn er erzählt, dass er weg ist. Er könne ihn verstehen, fügt er an. „Es ist auch einer, der hart arbeitet.”
Dem FCK, dem Training dort, habe er viel zu verdanken, sagt der 20-Jährige. Warum es momentan bei ihm persönlich nicht so läuft, kann er nicht erklären. „Ich habe sehr gut trainiert die letzten Wochen”, sagt er und verspricht: „Ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken.” Gerade in schweren Zeiten freut sich Petsos, der sich in Kaiserslautern wohlfühlt, über aufmunternde Worte seiner Freunde aus der Heimat. Im Vergleich zu Düsseldorf sei Kaiserslautern zwar ein „Dorf”. „Jeder bekommt jede Kleinigkeit mit.” Doch habe das auch seinen Vorteil: „Man kann sich gut auf den Sport konzentrieren.”
Profi zu sein bedeutet für Petsos vor allem eins: harte Arbeit und die absolute Bereitschaft, immer Gas zu geben. Denn nach unten geht es immer ganz schnell. Was er gelernt hat: „Man darf gerade als Profi nichts in sich hineinfressen, sondern sollte es ansprechen, wenn einen was stört”, sagt Petsos. Der 20-jährige zweifelt nicht, im Gegenteil, er ist davon überzeugt, sich in der 1. Bundesliga etablieren zu können - Gesundheit vorausgesetzt. Mit seinem Profigehalt geht Petsos vorsichtig um: „Wichtig ist, sich Geld auf die Seite zu legen. Man weiß ja nie wie lange man noch verdienen kann.”
Zu seiner Zukunft will Petsos, der darauf hofft, mit Griechenland zur Europameisterschaft zu fahren, nicht viel sagen: „Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. Das Ziel kann jetzt nur der Klassenerhalt sein.” Juniorenspielern, die den Sprung zum Profi schaffen können, rät der Fußballer, schwierigen Situationen stets entgegenzutreten, aber auch nicht zu viel nachzudenken. „Manchmal muss man einfach eine ******-drauf-Mentalität haben und einfach mal machen.”
Thanos Petsos ist im Herzen ein Grieche. Er sagt aber auch, dass er sich schnell an Deutschland gewöhnt habe und ihn die Mentalität auf jeden Fall präge. „Ich bin nicht faul, bin pünktlich...” Der Pressesprecher tippt auf die Uhr. „Wir müssen langsam zum Ende kommen, sonst kommt er zu spät zum Training.” Petsos nickt, steht schon, schüttelt die Hand. „Du musst mich noch auf Facebook als Freund annehmen”, sagt er und läuft im Trainingsanzug durch die Lederstuhlreihen.
Zur Person
Thanos Petsos
Athanasios „Thanos” Petsos wurde am 5. Juni 1991 in Düsseldorf geboren. Das Fußballspielen begann er als Achtjähriger beim Düsseldorfer SC. Zwei Jahre später wechselte er in die Jugend von Bayer 04 Leverkusen. Am 5. März 2010 wurde Petsos das erste Mal in der Regionalliga-West in Bayers zweiter Mannschaft eingesetzt. Sieben Wochen später gab er im Bundesligaheimspiel gegen Hannover 96 sein Profidebüt.
Seit der Saison 2010/2011 trägt der griechische Nationalspieler (ein Länderspiel) das Trikot des 1. FC Kaiserslautern. Bis zum Sommer ist Petsos von Leverkusen ausgeliehen, wo sein Vertrag bis 30. Juni 2014 läuft. Der Mittelfeldspieler kommt bislang auf 36 Bundesliga-Einsätze.
DIE RHEINPFALZ
Pfälzische Volkszeitung