Der Verein wird, davon kann man spätestens seit dem Bochum-Spiel ausgehen, die Planungen für ein weiteres Jahr in der zweiten Liga in Angriff nehmen können. Die Wahrscheinlichkeit in fünf Spielen den Abstand von fünf Punkten zu verringern sehe ich als nicht gegeben. Woher sollte man bei der enttäuschenden Spielweise der letzten Wochen auch die Hoffnung schöpfen, dass sich für die letzten fünf Spiele eine dramatische Veränderung einstellen sollte? Selbst wenn dieses „Wunder“ geschehen sollte, gegen welchen Relegationsgegner sollte man realistisch bestehen können?
Die Kritik in diesem Jahr muss sich in erster Linie auf Mannschaft und Trainerteam konzentrieren. Die Mannschaft hatte die Qualität für den Aufstieg, sie hat individuelle Klasse und sie ist im Vergleich zur Mannschaft der letzten Saison mit Sicherheit nicht schlechter aufgestellt. Die Mannschaft ist nur nicht Willens, bzw. nicht in der Lage diese Überlegenheit umzusetzen. Sie ist vielleicht an guten Tagen in der Lage Fußball zu spielen aber sie ist nicht in der Lage Fußball zu arbeiten, Fußball zu leben. Dieser unbedingte Siegeswille, diese Mentalität den Gegner erlegen zu wollen ist einer beängstigenden Lethargie gewichen. Auf dem Platz und außerhalb.
Wer immer sagt, dass diese Mannschaft nicht die Qualität für einen der ersten drei Plätze in dieser Liga hat, der vergisst, dass diese Mannschaft absolut verdient im Pokal-Halbfinale steht, der vergisst, dass diese Mannschaft lange Zeit auf Aufstiegs- oder Relegationsplätzen gewesen ist und der vergisst, dass die Mannschaften die sich um uns herum tummeln allesamt keine höhere Qualität im Kader haben, mit Ausnahme des 1.FC Köln.
Nach fünf Spieltagen und 9 Punkten, das sind 1,8 Punkte im Schnitt(!), hat sich der Verein von Franco Foda getrennt. Diese Trennung kam auch zu Stande weil der öffentliche Druck der eigenen Anhänger immer größer wurde und sie war rückblickend betrachtet wahrscheinlich die falsche Entscheidung. Franco Foda hat unserer Mannschaft einen Fußball beigebracht der zum abgewöhnen war, er hat einen Fußball spielen lassen der nur sehr bedingt zum Betze passt. Er hat sich in Interviews teils selbstherrlich gegeben und teilweise auch überheblich, was genauso schlecht zu uns passte wie seine Art Fußball spielen zu lassen. Aber und das ist das Erschreckende: Er war, gemessen an den Punkten, der beste FCK-Trainer seit dem Abstieg 2006.
Runjaic hingegen ist aktuell nicht in der Lage mit dieser Mannschaft die nächsten Schritte zu gehen. Er ist nicht der Lage sein Spielsystem dem vorhandenen Spielermaterial und den Gegebenheiten im Aufstiegskampf anzupassen, nicht in der Lage die Mannschaft zu entwickeln und auch nicht in der Lage das vorhandene Potenzial sinnvoll abzurufen.
Wir haben leichtfertig vor der Winterpause die Spiele in Dresden und zu Hause gegen Düsseldorf verloren und wir haben mit noch mehr Leichtsinn in Aue und Cottbus verdient verloren. Wir haben nicht verstanden wie wichtig in dieser Saison eine stabile Defensivarbeit ist, so unschön sie auch anzusehen ist. Wir haben versucht gegen diese Kellerkinder „unseren“ Schuh durchzudrücken, sind teils früh in Rückstand geraten und dann planlos gegen defensiv gut stehende Mannschaften angerannt. In Dresden haben wir es genau anders gemacht. Erst unnötig in Rückstand gegangen, dann das Spiel gedreht und statt aus einer geordneten Defensive heraus den letzten Stich zu setzen haben wir uns nahezu kampflos überrollen lassen. Unschön und unnötig. Diese für mich taktisch fragwürdige Einstellung paart sich dann noch mit einer Leichtfertigkeit der eigenen Mannschaft, welche sich für mich nur mit mangelnder Konzentration oder Überheblichkeit erklären lässt. Beides nicht zu verzeihen. Für die taktische und mentale Einstellung der Spieler ist der Trainer die einzig verantwortliche Person, neben den Spielern selbst. Ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher ob Runjaic hierfür der Richtige ist. Gerade diese Vielzahl an leichtsinnigen Gegentoren lässt das Gefühl aufkommen, dass er nicht in der Lage ist seine Spieler mental vernünftig einzustellen. Diese mentale Einstellung ist aber gerade auf dem Betze unheimlich wichtig, denn nur mit diesem Willen und dieser Geilheit kann ich den Berg auch wecken und vielleicht die letzten Prozent an Kraftreserven mobilisieren. Das konnte sogar Foda besser.
Zur Mannschaft ist eigentlich in den vergangenen Tagen und Wochen genug geschrieben worden. Es scheint, das ist mein Eindruck, in der Mannschaft nicht mehr zu stimmen, beziehungsweise es scheint als habe in der Mannschaft die Lethargie gesiegt. Eine Antwort auf die „warum?“-Frage wird wohl so einfach niemand geben können. Es sollte sich aber auch keiner mit dem Blick auf den Fußball-Manager täuschen lassen. Eine Fußball-Mannschaft ist eben doch eine Ansammlung von 30 unterschiedlichen Charakteren deren harmonisches Zusammenspiel bei Weitem keine Selbstverständlichkeit ist. Auch hier ist eigentlich der Trainerstab gefordert diese Charaktere so einzusetzen, dass die unterschiedlichen Typen sich gegenseitig so „befruchten“, dass es für das große Ganze am Ende gewinnbringend ist. Und er muss verhindern, dass sich seine Spieler ungerecht behandeln füllen. Wenn man sieht, dass ein Markus Karl trotz schwacher Leistung unantastbar ist, dann könnte ich verstehen, wenn das innerhalb der Mannschaft Unruhe erzeugen würde.
Es ist aber trotzdem auch jeder Spieler für sich selbst verantwortlich. Ich muss ehrlich sagen, dass mir bei Kostas Fortounis inzwischen die Tränen kommen. Der Junge ist seit gefühlten 5 Jahren bei uns, kann noch immer kaum ein Wort Deutsch und erzeugt in seinem Verhalten auch noch das Gefühl als sei er eigentlich schon lange satt. Wer diesen Jungen mal hat spielen sehen, wenn er will und kann, der wird verstehen wenn viele sagen, dass er der technisch beste Spieler ist, der seit langer, langer Zeit bei uns gespielt hat. Warum dieser Spieler das nicht abrufen kann, warum er sich offensichtlich nicht heimisch fühlt, das müssen sich auch die Älteren in der Mannschaft hinterfragen. Der Trainer und der Verein können und müssen ihren Beitrag zur Integration leisten, es hängt jedoch auch unheimlich viel vom Verhalten der Mitspieler ab. Dass Neuzugänge grundsätzlich schlecht integriert sind würde ich nicht so sehen wollen, da gibt es genügend Gegenbeispiele. Die Mannschaft hat aber gerade für ihre „Problemkinder“ eine gewisse Verantwortung.
Wie also mit der Mannschaft im kommenden Jahr umgehen? Qualitativ bleibe ich dabei, die Mannschaft ist absolut in der Lage um den direkten Aufstieg mitzuspielen. Es muss alles auf den Prüfstand aber den großen Umbruch darf es dennoch nicht geben. Braunschweig, Karlsruhe, Union und Paderborn sollten uns allen mahnende Beispiele sein, dass Kontinuität noch immer besser ist, als jedes Jahr um einen neuen Trainer herum eine neue Mannschaft aufzubauen. Es muss zumindest ein klares Gerüst der Mannschaft vorhanden bleiben um diese erfahrenen Spieler herum eine Mannschaft aufgebaut werden. Es ist nicht so, dass man eine neue Mannschaft bräuchte. Verglichen mit einem Gärtner: Unten ein wenig Dünger einbringen, damit sich die Pflanze besser entwickeln kann und die alten Äste die nur Kraft rauben abschneiden. Will heißen: Auf den kritischen Positionen nachbessern, das betrifft hauptsächlich das Mittelfeld und die defensiven Außenbahnen, auf welchen Ergänzungen zu Löwe und vor allem Dick notwendig sind, um einen reellen Konkurrenzkampf zu entfachen. Und die alten Zöpfe abschneiden, die viel Kraft gekostet haben aber der Mannschaft keinen Mehrwert gebracht haben, bzw. in der Mannschaft für zu viel Disharmonie geführt haben. Will heißen: Fortounis, Occean, evtl. Karl, Ede, Bunjaku, Idrissou abgeben.
Ob Runjaic für diesen Weg der richtige Trainer ist sollte man sich überlegen. Wenn man zu dem Entschluss kommt, dass er trotz der genannten Punkte der richtige Mann ist, dann darf es nicht nach fünf Spieltagen den nächsten Wechsel geben.