Tradition verpflichtet: Der Landesbetrieb FCK will nicht mehr zweitklassig sein
Stefan Kieffer blickt auf die Sportwoche zurück
Ruhmreiche Vereine wie Rot-Weiß Essen, Eintracht Braunschweig oder der 1. FC Kaiserslautern gehören einfach in die Bundesliga, gewissermaßen qua Tradition. Fans und Funktionäre dieser einstmaligen Meisterklubs können schwer einsehen, dass ihnen nicht die Erfolge der Vergangenheit, sondern einzig die sportliche (und wirtschaftliche) Leistungskraft der Jetztzeit einen Platz im Oberhaus verschaffen können.
Nur so ist zu erklären, dass die Anhänger der Roten Teufel die Entlassung von Trainer Milan Sasic vier Spieltage vor Saisonende in diversen Internetforen ohne ein Wimpernzucken mit der rapide gesunkenen Aufstiegschance der Roten Teufel begründen wollen.
Die Verdienste des Trainers, der den FCK in der vergangenen Saison auf den letzten Drücker vor dem fast sicheren Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit bewahrte, sind nicht vergessen - werden aber auch nicht überschätzt: "Das hätte jeder andere Trainer auch geschafft", ist da zu lesen, und: "Schließlich wurde er auch gut dafür bezahlt."
Auch dass der Fast-Absteiger der Vorsaison nach einer fulminanten Hinrunde auf Tabellenplatz zwei stand, ist demnach zu vernachlässigen angesichts der Tatsache, dass die Rückrunde nicht ganz so erfolgreich verlief. Schuld daran ist natürlich der Trainer, der anstelle eines Kurzpass-Konzepts a la FC Barcelona nur auf "Hoch-Weit-Fußball" gesetzt habe. Dabei hat kaum einer der Westkurven-Krischer noch selbst gesehen, wie einst die Walter-Elf mit brillantem Kombinationsfußball Maßstäbe gesetzt hat.
Seit nunmehr fünf Jahrzehnten ist die Erfolgsmasche der Roten Teufel eher simpel gestrickt. Die erfolgreichen FCK-Teams der Neuzeit bis hin zu den Meistermannschaften von Kalli Feldkamp und Otto Rehhagel haben ihre wichtigsten Siege errungen, weil ein kopfballstarker Zentrumsspieler (Toppmöller, Kohr, Marschall, Klose, auch Briegel oder Schjönberg) in der Nachspielzeit eine von unzähligen hohen Hereingaben mit Wucht und Inbrunst über die Linie beförderte.
Nun fordern die FCK-Fans also mehr Spielkultur und dementsprechend einen Trainer von Weltruf: Klinsmann, Finke, Slomka oder Veh werden im Fan-Forum genannt, auf keinen Fall aber "Lehrlinge" wie Markus Schupp und Franco Foda oder gar "Zweitligatrainer" wie Holger Fach, Thorsten Fink oder Bruno Labbadia (!).
Nun, FCK-Chef Stefan Kuntz, von den Fans als Heilsbringer verehrt, wird seine eigenen Pläne haben. So, wie er wohl seine Gründe hatte, die angebliche "Männerfreundschaft" mit Trainer Sasic 14 Monate vor Vertragsende Hals über Kopf aufzukündigen. Angeblich war der Kroate zu streng mit der Mannschaft, wollte mehr Einfluss nehmen im Verein und hat die von Boss Kuntz aus der Portokasse finanzierten Winterzugänge beharrlich ignoriert.
Nun kann es sich in der Tat kaum ein Verein leisten, teure Spieler quasi als totes Kapital auf Ersatzbank oder Tribüne schmoren zu lassen. Auch ein cholerisches Temperament mag in einem angeblich familiär strukturierten Klub bisweilen für Misstöne sorgen. Kaum einer der teils schwerwiegenden Vorwürfe gegen Milan Sasic ist indes über den Status eines Gerüchts aus "gut informierten Quellen" hinausgekommen. Fakt ist: Der Landesbetrieb 1. FC Kaiserslautern, der sich so vortrefflich arm zu rechnen versteht, dass er sich die Stadionmiete zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus Steuergeldern bezahlen lässt, darf nun wieder einen arbeitslosen Trainer bezahlen - unabhängig davon, was der nächste kosten wird.
Aber woher das Geld kommt, spielt nun mal keine Rolle. Hier geht"s schließlich um einen Traditionsverein auf dem Weg zurück auf seinen angestammten Platz im Fußball-Olymp. Geduld, Augenmaß und Sparsamkeit können da nur stören. Siehe Braunschweig oder Essen.
Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz und Region vom 09.05.2009, Seite 10.