"Das ist eine Frechheit"
Eintracht-Fans machen gegen die frühe Anstoßzeit der Nachholpartie in Kaiserslautern mobil / Auch Trainer Funkel kann den Unmut verstehen
VON INGO DURSTEWITZ
Ralf Rösner ist seit Jahr und Tag ein Fußball-Fan, den man mit der schaurig-schönen Vokabel eingefleischt beschreiben kann. Das Herz des 39-Jährigen schlägt vehement für Eintracht Frankfurt, der selbstständige Taxiunternehmer aus Bad Homburg besucht die Mannschaft schon mal grenzübergreifend in diversen Trainingslagern. 2001 organisierte er für 100 Beinharte einen 22-stündigen Bus-Trip nach Oslo, um Kult-Spieler Jan-Aage Fjörtoft zu huldigen; zu den Auswärtspartien der Eintracht veranstaltet Rösner regelmäßig Busreisen. Auch für das Bundesligaspiel auf dem Betzenberg hatte er den Bus voll, "rappelvoll", wie er sagt; 53 Leute wären an Bord gewesen. Wären. Wenn, ja wenn die Begegnung aufgrund der rissigen Dachkonstruktion des Fritz-Walter-Stadions am vergangenen Samstag nicht ausgefallen wäre.
Ob auch morgen in einer Woche, wenn die Begegnung zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt nachgeholt wird, alle gebuchten Plätze belegt sein werden, weiß Rösner nicht. Erst zehn, zwölf Leute hätten sich bei ihm gemeldet und zugesagt. Schuld daran ist die Anstoßzeit, die für viele Eintracht-Fans ein einziges großes Ärgernis darstellt: Das Spiel wird am 14. Dezember bereits um 18 Uhr angepfiffen. Das hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) so festgelegt.
Im Internetforum ist ein Sturm der Empörung losgebrochen, die Anhänger gehen auf die Barrikaden. Auch Rösner hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: "Diese Anstoßzeit ist indiskutabel", sagt er. "Das ist eine Frechheit." Er, als selbstständiger Unternehmer, könne sich seine Zeit einteilen, "aber der normale Arbeitnehmer muss um diese Zeit knechten". Anstatt 6000 Frankfurter erwartet Rösner allenfalls 1500 in der Pfalz. "Da kann sich doch jeder selbst ein Bild machen." Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel kann den Unmut der treuen Anhängerschaft verstehen. "Das ist echt eine Scheiß-Zeit", sagt er unverblümt, "wer um sechs in Lautern sein will, der muss ja um drei den Hammer fallen lassen. Wer kann das denn heutzutage schon noch ohne Weiteres?"
Der Grund für die Terminierung ist das Uefa-Cup-Spiel am Abend (20.45 Uhr) zwischen dem VfB Stuttgart und Rapid Bukarest. Das DSF wird live aus Stuttgart senden, Premiere aus Kaiserslautern - die Übertragungen dürfen sich freilich nicht überschneiden. Das ist im millionenschweren Poker um Fernsehrechte vertraglich fixiert worden. Der gemeine Fan guckt in die Röhre. "Wir werden doch nicht ernst genommen", klagt Rösner. "Wir sollen Stimmung machen, unser Geld im Stadion lassen - aber ansonsten den Mund halten." Man könne seinem "Ärger verbal Luft machen, aber es bringt ja sowieso nix". Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Fußball-AG, sieht das gewohnt unaufgeregt: "Es gibt einen Rahmenterminkalender, da gibt es klare Regularien für Bundesliga-Ausweichtermine an Europapokal-Spieltagen." Den Nachholtermin auf Dienstag, 13. Dezember, zu legen, war übrigens unmöglich, weil der 1. FC Kaiserslautern nur zwei Tage vorher in der Bundesliga in München antreten muss.
Wer es am 14. Dezember ins seit gestern wieder für Pflichtspiele freigegebene Fritz-Walter-Stadion schafft, der kann mit dem bereits erworbenen Ticket Einlass erbitten, die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Die Unpässlichen können ihre gekauften Billetts an die Eintracht zurücksenden (an die Adresse: Eintracht Frankfurt Fußball AG, Abteilung Ticketing, Stichwort: 1. FC Kaiserslautern, Mörfelder Landstraße 362, 60528 Frankfurt), die Eintracht wird das Geld sowie die Vorverkaufsgebühr innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen auf das angegebene Konto zurückerstatten. Allerdings muss die Karte bis spätestens 9. Dezember auf der Geschäftsstelle eingegangen sein.
Für die Mannschaft von Trainer Funkel bedeutet das Nachholspiel eine zusätzliche Belastung, die Profis müssen binnen 13 Tagen vier Pflichtspiele (Dortmund, Lautern, Gladbach in der Liga, Nürnberg im DFB-Pokal) absolvieren, bis Weihnachten gibt es keinen freien Tag mehr. Funkel bereitet das kein Kopfzerbrechen: "Das ist überhaupt kein Problem. Meine Mannschaft ist topfit."
Quelle:
www.fr-aktuell.de