Gelebte Demokratie kann ich aber nur bei freien Wahlen erkennen und nicht, wenn maskierte uniformierte bewaffnete vor den Wahllokalen stehen. Die Minderheiten wie Tartaren sind doch gar nicht erst zur Wahl gegangen, da Sie an keine fairen Wahlen glaubten.
Und da Russland ja nur die eigenen Landsleute beschützen will, wurde heute bereits verkündet, dass die Tartaren Teile Ihres Gebietes zu Gunsten der russischen Bevölkerung räumen müssen.
Das ist die gelebte Demokratie, in der es keinen Minderheitenschutz gibt, sondern das Recht des Stärkeren gilt. Es erinnert derart viel an unsere NS- Zeit, so dass ich es als hochgradig verstörend empfinde, wie hier einige das russische Verhalten rechtfertigen.
Als zum 100.000 mal in der Schule Vorträge darüber gehalten wurden, wie Schlägertrupps der Nazis vor Wahllokalen und jüdischen Geschäften, die Lebensraumerweiterung Ost zu Gunsten der deutschen Herrenrasse, die Annektion fremder Hoheitsgebiete aufgrund deutscher Bevölkerungsteile, etc. stattfand, da dachte ich wie die meisten meiner Mitschüler wie oft denn noch- wir habens kapiert, Geschichte wird sich nicht wiederholen....
Wenn ich aber lese wie verständnisvoll hier einige für russische Interessen sind, dann frage ich mich, welche Lehre aus der deutschen Geschichte gezogen wurde?
Ich war vor ein paar Jahren 2010 oder 2011 in Lettland. Im Baltikum ist es in der Tat so, dass die Russlandnahen Gebiete überwiegend russischstämmige Bevölkerung haben. Die lettische Bevölkerung steht diesem teil kritisch gegenüber. Dieser ist vergleichsweise ungebildet und ländlich strukturiert.
Mit der gleichen Begründung wie in der Ukraine könnte Putin also auch hier agieren. Die mal schnell ihre eigenen Wahlen abhalten lassen, diese anerkennen, nächster Schritt zur neuen Sowjetunion...
In dem Zusammenhang finde ich, kommt etwas zu kurz, was ehemalige Staaten des Warschauer Pakts äußern, denn die haben die jüngere geschichte nicht vergessen:
"Der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek hält wenig von der vermeintlich demokratischen Legitimation hinter dem Anschluss der Krim: "Wenn wir Referenden über Grenzen abhalten, weil jemand vor Ort eine nationale Minderheit hat, dann führt das in die Hölle."
Derweil in Vilnius: US-Vizepräsident Joe Biden besucht die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė. Die Bürger der Ex-Sowjetrepublik fürchten, Russlands Expansionsstreben zum Opfer zu fallen.
Polens Außenminister Radoslaw Sikorski wurde am Montag in Brüssel deutlich. Das Referendum nannte er "Anschluss" in Anspielung auf Hitlers Einmarsch in Österreich 1938 und eine "Abstimmung vor dem Lauf von Karabinern".
In den drei baltischen Ländern, die 1940 von der Sowjetunion annektiert wurden und heute allesamt NATO-Mitglieder sind, ist die Ablehnung des Referendums einhellig. Litauens konservative Präsidentin Dalia Grybauskaitė verurteilte die "Annexion" der Krim durch Russland, die Opposition spricht sogar vom "russischen Faschismus". Estlands Außenminister Urmas Paet versprach der Ukraine, "in jeglicher Form zu helfen", vor allem bei der Unterzeichnung des Assoziierungsvertrag mit der EU.
Der lettische Außenminister Edgars Rinkēvičs wandte sich hingegen an Russland - das Land solle seine Truppen zurückziehen und deeskalierend wirken. Lettland und Estland haben russische Minderheiten von etwa 25 Prozent der Bevölkerung, dort nimmt das Misstrauen zwischen den beiden Volksgruppen letztens deutlich zu.
Es geht doch schon lange nicht mehr "nur" um die Krim! Und wenn hier immer vom Westen die Rede ist, dann fängt dieser Westen aber östlich von uns an! Und die vorgenannten Länder haben eigene Erfahrungen mit der gelebten Demokratie gemacht!