Ich greif hier ungern einzelne Aussagen raus, ich versuch stattdessen lieber mal allgemein meinen Senf dazu beizutragen...
Einfluss Stimmung
Dass die Mannschaft durch einen Stimmungsboykott sportlich benachteiligt wird, sehe ich so nicht. Die Spiele gegen St. Pauli und bei Union Berlin haben eigentlich gezeigt, dass die Mannschaft auch in der Phase einer schlechten Stimmung ordentlichen bis sehr ordentlichen Fußball spielen kann. Nach den 12:12 Minuten war auf St. Pauli und vor allem am Freitag in Berlin eine wirklich gute Stimmung und ich würde nicht sagen wollen, dass ich nach den 12:12 Minuten einen Umbruch im Spiel erlebt hätte. Auch gegen Regensburg gab es aus meiner Sicht keinen signifikanten Unterschied zwischen während und nach dem Protest.
Im Übrigen hat die Mannschaft nicht nur in den letzten drei Spielen größtenteils sehr schlecht gespielt. Da wäre es etwas zu leicht, die drei sieglosen Spiele auf den Stimmungsboykott von 12:12 Minuten zu schieben.
Da die Fanvertretung bei solchen Aktionen die Mannschaft auch wirklich gut informiert dürfte auch keiner der Jungs darüber überrascht sein. Dass es ein merkwürdiges Gefühl ist wissen wir alle aber ich glaube nicht, dass die Stimmung einen entscheidenden Einfluss auf die Mannschaft hat. Wenn dem so wäre würde der FC Bayern wohl eher gegen den Abstieg spielen.
Sicherheitskonzept
Hier vielleicht mal für einige zur Klarstellung: Es ging beim Sicherheitskonzept in keinster Weise um das Thema Legalisierung von Pyrotechnik.
Dieses Konzept ist, bezogen auf die Situation in Kaiserslautern, überflüssig. Die meisten Anforderungen die im Sicherheitskonzept festgelegt werden, sind in Kaiserslautern bereits vorhanden. Egal ob dies organisatorische Anforderungen (Video-Überwachung, etc.) betrifft, als auch strukturelle Anforderungen (Anwesenheit Fanbetreuung, Sicherheitsbeauftragter bei Heim- und Auswärtsspielen). Diese Anforderungen erfüllt im Übrigen bereits heute aus meiner Sicht die absolute Mehrheit der deutschen Fußballvereine, sogar bis hinab in Liga 3.
Gegen die Merheit dieser Punkte würde es daher von vielen Fans, auch von den Ultras, sicherlich keiner Ablehnung geben.
Es gibt jedoch mindestens zwei Punkte die vielen Fans und auch mir persönlich bitter aufstoßen und die es zu verhindern / zu bekämpfen gilt. Zum einen kann es nicht sein, dass ich als Zuschauer eines Fußballspiels eine Leibesvisitation samt Ganzkörperkontrolle über mich ergehen lassen muss, bevor ich ein Fußballstadion betreten kann. Hier sei auch ganz klar erwähnt, dass diese Kontrollen in Deutschland nicht zulässig sind, sofern sie nicht richterlich angeordnet sind, bzw. sofern nicht ein ganz konkreter und begründeter Verdacht gegen genau diese Person besteht.
Zum anderen lebt dieser Sport auch von der Stimmung im Stadion und zu dieser Stimmung gehören nun einmal auch Gästefans. Die Rechte der Gästefans werden durch dieses Konzept immer weiter eingeschränkt. Eine Gleichstellung der Behandlung zwischen Heim- und Auswärtsfans wäre wünschenswert, ist aber leider nicht erfolgt. Stattdessen wird auch noch die Ticketvergabe für Auswärtsspiele einer absoluten Willkür ausgesetzt, welcher der Gastverein nichts entgegensetzen kann. Auch hier ist die rechtliche Lage bisher eindeutig gewesen. Bei Spielen mit besonderem Risiko und besonderer Vorgeschichte, bspw. das Duell St. Pauli gegen Hansa Rostock, hat bereits heute die Polizei die Möglichkeit richterlich festlegen zu lassen, dass Auswärtsfans nicht zum jeweiligen Spiel anreisen dürfen. Hier stellt sich folglich die Frage, warum überhaupt reagiert werden musste, wenn es bisher eine klare juristische Grundlage gegeben hat. Eine Aufweichung dieser Vorgehensweise war und ist nicht notwendig und führt zu einer willkürlichen Handhabung durch den jeweiligen Heimverein, zu Lasten der Gästefans.
Fakt wird sein, dass diese beide Maßnahmen für die wenigsten Heimfans spürbar sein werden, weil sicherlich kein Heimverein eine Ganzkörperkontrolle bei seinen Fans durchführen wird. Das wäre wohl einfach zu negativ behaftet. Für diejenigen unter uns die regelmäßig Auswärts fahren kann und wird sich vermutlich in den kommenden Jahren auf Basis dieses Konzeptes einiges zum negativen wandeln. Das ist nicht hinnehmbar.
Ausgangslage
Es ist vor allem nicht hinnehmbar, wenn man sich unsere aktuelle Ausgangslage verinnerlicht. Die Zahlen der verletzten Personen im Zusammenhang mit Fußballspielen ist, verglichen mit der Brisanz der Veranstaltung, sehr sehr überschaubar. Es steht dabei außer Frage, dass jeder Verletzte im Rahmen eines Fußballspiels einer zu viel ist. Realistisch wird man jedoch sagen müssen, dass die Verletztenzahlen sich auf einem sehr niedrigen Niveau bewegen, welches kaum deutlich unterschritten werden kann.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen waren schon vor dem Sicherheitspapier mehr als ausreichend, egal ob diese das Thema Pyrotechnik oder generell die oben beschriebenen Punkte betrifft.
Viele der Punkte betreffen im Übrigen ausschließlich die Sicherheit im Stadion. Das ist ein zweiter Punkt, der eigentlich die Sinnlosigkeit dieses Papiers verdeutlicht. Wenn man seine Erfahrungen aus diversen Fußballspielen einbringt, wird man relativ schnell erkennen, dass nicht das Stadion als solches gefährlich ist, sondern allerhöchstens der Weg zum und vom Stadion. Genau dieser Punkt wurde jedoch kaum bis gar nicht betrachtet, was in meinen Augen wieder einmal zeigt, dass man eigentlich gar keine Lösung für das tatsächliche Problem sucht, sondern eher in blinden Aktionismus verfällt.
Verhalten Verein / Verbände / Politik
Seitens der Innenminister habe ich ehrlich gesagt kein anderes Verhalten erwartet. Ob dieses Verhalten positiv ist sei dahingestellt. Es wird jedoch unter jungen und engagierten Menschen jedoch sicherlich nicht zu einer Umkehr der zunehmenden Politikverdrossenheit führen.
Die Innenminister haben sich durch ihre Aussagen sehr angreifbar gemacht. Sie haben mit einem Stehplatzverbot gedroht, für das es nicht einmal eine rechtliche Grundlage auf Bundesebene gibt. Sie haben nicht gegen die angedrohten und bereits durchgeführten Nacktkontrollen interveniert, obwohl diese mit deutschem Recht nicht vereinbar sind. Sie haben in einer beschämenden Weise Stimmung gemacht und damit auch ganz normale und friedliche Fußballfans per se zu Gewalttätern deklariert.
Dass sich der mächtigste und mitgliederstärkste Sportverband der Welt und eine der mächtigsten privaten Institutionen dieses Landes nicht entsprechend zur Wehr setzen und auf ihrem und unserem Rücken den Wahlkampf der Innenminister befeuern, ist für mich sehr befremdlich.
Ein Innenminister der mittels einer Geisterdebatte über Gewalt im Fußball von seinen eigenen zahlreichen Verfehlungen, vor allem im NSU-Fall, ablenken will, bräuchte mir als Verbandsvertreter sicherlich nicht erklären, wie der Hase läuft.
Zur Abstimmung durch den FCK sei gesagt, dass sicherlich eine andere Entscheidung durch den Verein nichts am grundsätzlichen Ergebnis geändert hätte. Gerade deshalb wäre es jedoch ein leichtes gewesen in diesem Fall die Belange der Fans zu berücksichtigen und zumindest in den beiden Punkten Gästekarten und Zugangskontrolle gegen das Konzept zu stimmen. Von daher bin ich von der Entscheidung der Vereinsführung schon enttäuscht.
Die Vereine und die Verbände haben sich durch dieses Einknicken in gewisser Weise erpressbar gemacht. Ich hoffe, dass ihnen das nicht noch auf die Füße fällt.
Wie geht es weiter?
Diese Diskussion wird sicherlich die kommenden Wochen bestimmen und auch im neuen Jahr zu vielfältigen Protesten führen. Ich wünsche mir, auch im Sinne des Friedens in unserem Verein, dass dabei jeder, egal ob Ultra, Kutte, Stehplatz oder Sitzplatz die Meinung und das Verhalten des Anderen respektiert. Ich verstehe jeden, der durch diese Entscheidung enttäuscht ist und gegen diese Entscheidung weiter protestiert. Ich verstehe aber auch jeden, der seine Mannschaft bedingungslos anfeuern will. (Auch wenn ich mich eher zur ersten Kategorie zählen würde.) Respektiert die Meinung des Anderen und bekämpft euch nicht gegenseitig. Wir sind immer noch eine Familie!