Und hier die neuesten Artikel aus den Gazetten ...
Feuerwehr unter Polizeischutz!
Ludwigshafen – Drei Tage nach dem Feuer-Drama von Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) mit neun Toten und 60 Verletzten kochen die Emotionen hoch!
Türkische Medien vermuten einen Nazi-Anschlag! Islamische Organisationen kritisieren deutsche Politiker scharf! Helfer bekommen Polizeischutz, ein Feuerwehrmann wurde sogar verprügelt!
Quelle und weiterlesen
Ermittler erstmals im ausgebrannten Haus
Staatsanwalt Liebig: Noch keine Erkenntnisse - Drei Opfer bisher nicht identifiziert - Lohse besucht Opfer im Krankenhaus
Die Identität von drei Opfern des verheerenden Feuers vom Sonntag, das neun Menschenleben forderte, steht noch nicht fest. Alle acht sich noch im Krankenhaus befindenden Patienten sind außer Lebensgefahr. Insgesamt haben Feuerwehr und Polizei aus dem von 24 Türken bewohnten brennenden Mehrfamilienhaus an der Ecke Berliner/Jaegerstraße 47 Menschen retten können. Dennoch werden Retter inzwischen - vor allem in türkischen Medien - stark kritisiert: Die Feuerwehr sei zu spät am Einsatzort gewesen. Dagegen hat sich gestern Feuerwehrdezernent Wilhelm Zeiser erneut energisch verwahrt. Polizeipräsident Wolfgang Fromm hat die Kritik als „falsch, tendenziös und völlig unakzeptabel" bezeichnet.
Bei einem Treffen mit rund 300 Angehörigen der Brandopfer am Dienstag hätten Staatsministerin Maria Böhmer und sie gegenüber den Betroffenen ihr Mitgefühl bekundet. Die Stadt habe zudem erneut jegliche Hilfe angeboten, informierte Lohse. Beide besuchten auch Verletzte im Krankenhaus. Die Hilfe der Bevölkerung gehe unterdessen unvermindert weiter. Auf dem Spendenkonto waren gestern über 50.000 Euro eingegangen. 400 Menschen hatten sich bisher in das Kondolenzbuch eingetragen.
Beten für mehr Harmonie
„Wir trauern mit Euch um die toten Kinder, um die toten Erwachsenen und beten für mehr Harmonie miteinander." Stofftiere umrunden gestern diese Mitleidsbekundung am Absperrzaun auf dem Parkplatz Jaegerstraße mit Blickrichtung auf das Unglückshaus. Nebenan hängen dutzende Blumengebinde, Blumensträuße auch auf dem Erdboden, Kerzen daneben. Etwa 400 Menschen, überwiegend türkischer Herkunft, stehen hier, haben den Blick auf das ausgebrannte Haus gerichtet. Gesprochen wird kaum, allenfalls leise - und auf Türkisch.
Viele türkische Journalisten richten sich inzwischen auf dem Parkplatz ein, aber auch Medienvertreter aus allen Teilen Deutschlands. Noch ehe Staatsministerin Maria Böhmer und ihr türkischer Kollege Mustafa Yazicioglu eingetroffen sind, rollen die inzwischen eingefahrenen Kräne vom Haus weg.
Die Polizei bestätigte am Nachmittag einen Angriff auf einen Feuerwehrmann. Demnach hat ein 37 Jahre alter, in der Türkei geborener Mann in einem Lokal in Limburgerhof den 39-jährigen Deutschen als Angehörigen der Feuerwehr Ludwigshafen erkannt und ihm Vorhaltungen wegen des Feuerwehreinsatzes am Sonntag gemacht. Der Feuerwehrmann sei ruhig geblieben.
Der Wirt habe den Türken des Lokals verwiesen. Er sei aber erneut in die Gaststätte gestürmt und habe den Feuerwehrmann derart auf den Oberkörper geschlagen, dass dieser „rücklings vom Stuhl an der Bar stürzte. Dabei verletzte er sich so schwer, dass er in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden musste", informierte gestern Polizeisprecher Volker Klein. Der Angreifer wurde bei der Staatsanwaltschaft wegen Beleidigung und Körperverletzung angezeigt.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer, äußerte sich entsetzt: „Ich bin schockiert über die Tat." Feuerwehrchef Friedrich sei angesichts der Attacke in Tränen ausgebrochen, als sie ihm für die geleistete Arbeit gedankt habe, sagte Böhmer. Nun sei es besonders wichtig, in die türkische Gemeinde hineinzutragen, wie sehr die Behörden um Aufklärung bemüht seien. Sie kritisierte den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan der auf einen rechtsradikalen Anschlag auf Türken 1993 in Solingen angespielt hatte. „Man muss mit allen Äußerungen vorsichtig sein", sagte Böhmer.
Erdogan heute am Brandort
Wie OB-Lohse am Nachmittag bei der Pressekonferenz auf Anfrage bestätigt hat, wird der türkische Ministerpräsident heute den Ort der Brandkatastrophe besuchen. Lothar Liebig, der Chef der Frankenthaler Staatsanwaltschaft, informierte darüber, dass gestern erstmals Ermittler, darunter auch türkische, im Brandhaus waren. „Es liegen aber noch keine Erkenntnisse vor." Die Vernehmung der acht und neun Jahre alten Mädchen, die einem Fernsehsender berichtet hatten, im Haus einen Mann gesehen zu haben, der mit Feuer hantiert habe, sei begonnen worden. Sie müsse aber fortgesetzt werden, weil die Kinder - sie hatten den Brand überlebt - total erschöpft gewesen seien. Deshalb gäbe es zu deren Angaben auch noch keine Erkenntnisse. Offen sei auch, ob die Angaben für ein Phantombild ausreichten. Liebig bestätigte zudem, dass sich rechtsradikale Graffitti in dem Haus befänden. Sie seien aber nicht zu datieren. Das Lokal im Erdgeschoß soll bis Mitte der 90er Jahre als Treff von Skinheads und Neonazis gegolten haben.
Feuerwehrdezernent Zeiser präsentierte eine nach seinen Angaben „gerichtlich verwertbare" Aufstellung: Danach sind nach dem ersten Alarm bis zum Eintreffen der ersten Feuerwehrwagen am Brandort zwei Minuten vergangen.
KELLERS
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Ludwigshafener Rundschau
Ausgabe: Nr.32
Datum: Donnerstag, den 07. Februar 2008
Personenschutz für Feuerwehrleute nach Wohnhausbrand in Ludwigshafen
Angereister türkischer Staatsminister fordert Landsleute zur Mäßigung der Kritik an Rettungsaktion auf
LUDWIGSHAFEN (blt/ede/rhp). Ungeachtet aller Spekulationen über einen Anschlag ist die Ursache des Wohnhausbrands von Ludwigshafen, bei dem neun Menschen starben und 60 verletzt wurden, noch ungeklärt. Angesichts der aufgeheizten Diskussion über den Feuerwehreinsatz am Sonntag riefen deutsche Politiker, aber auch Angehörige der Opfer sowie der türkische Staatsminister für auswärtige Fragen zur Mäßigung auf. Zuvor war ein Angehöriger der Ludwigshafener Feuerwehr von einem Türken angegriffen worden.
Brandexperten der Polizei begannen gestern mit der Spurensuche in dem Haus. Offen blieb, ob es früher Drohungen gegen die türkischen Hausbesitzer gegeben hat. Darüber hätten die Ermittler keine gesicherten Erkenntnisse, erklärte die Staatsanwaltschaft. Der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig bestätigte aber, dass im Eingangsbereich des Hauses das Wort „Hass", buchstabiert mit zwei SS-Runen, zweifach an die Wand geschmiert war.
Gestern besuchte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, gemeinsam mit dem türkischen Staatsminister Mustafa Said Yazicioglu die Unglücksstelle. Böhmer kritisierte indirekt den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der am Vortag unter Anspielung auf einen fremdenfeindlichen Brandanschlag im Jahre 1993 gesagt hatte: „Wir wollen kein neues Solingen." Angesichts der nach wie vor nicht geklärten Brandursache sollte man „mit allen Äußerungen vorsichtig sein", so Böhmer. Erdogan will heute nach Ludwigshafen kommen.
Betroffenheit rief der Angriff auf einen Feuerwehrmann in Limburgerhof bei Ludwigshafen hervor: Am frühen Mittwochmorgen wurde der 39-Jährige, der dort in Zivil eine Gaststätte besuchte, von einem 37-Jährigen attackiert. Der Türke hatte den Deutschen als Angehörigen der Ludwigshafener Feuerwehr erkannt und ihm Vorhaltungen wegen angeblicher Fehler beim Einsatz am Sonntag gemacht. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal ermittelt nun wegen Beleidigung und Körperverletzung.
Die drei vom Feuer betroffenen türkischen Familien distanzierten sich von der Attacke. Am Abend bedankte sich eines der Brandopfer bei Polizei und Feuerwehr. Der Mann warnte zugleich seine „Landsleute, die hier leben, dass die aggressiv irgendwas Falsches machen". Böhmer appellierte an die türkischen Medien, in ihrer Berichterstattung die gute Arbeit der Rettungskräfte herauszustellen, anstatt - wie teils geschehen - Gerüchte und Halbwahrheiten zu verbreiten. Staatsminister Yazicioglu sprach nach Angaben Böhmers bei seiner Rede auf Türkisch den Hilfskräften seine Anerkennung aus und rief die türkische Gemeinde Ludwigshafens zur Mäßigung auf.
Der Ludwigshafener Polizeipräsident Wolfgang Fromm sagte, die Kritik an der Feuerwehr sei falsch: „Es geht nicht an, dass diese Menschen beleidigt, bedroht und bespuckt werden." Hier würden „Retter zu Tätern gemacht". Die Polizei müsse inzwischen Personenschutz für die Feuerwehrleute bereitstellen. Dies dürfe die Öffentlichkeit nicht hinnehmen. Um die Kritik zu entkräften, veröffentlichte die Feuerwehr den genauen zeitlichen Ablauf des Einsatzes. Danach wurden die Helfer am Sonntag um 16.22 Uhr alarmiert und waren mit den ersten beiden Löschzügen um 16.24 Uhr vor Ort.
STERNE
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Ludwigshafener Rundschau
Ausgabe: Nr.32
Datum: Donnerstag, den 07. Februar 2008