Also wenn man den wählen will, von dem man überzeugt ist, dass er einen am besten repräsentiert, müsste man mindestens das Parteiprogramm lesen.
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Kann man es erwarten, dass jeder sich die einzelnen Parteiprogramme durchliest?
Parteiprogramme sind auch nur Parolen auf einem anderen Level. Sie verhalten sich zu den Wahlplakaten in etwa wie die "Welt" zur "BILD".
Ich finde, wenn man das politische Tagesgeschäft einigermaßen verfolgt - und da reicht es schon wenn man die Tagesschau guckt und eine Tages- oder Wochenzeitung verfolgt - kann man sich die Parteiprogramme getrost schenken.
Das umstrittene Pirate Bay Urteil war sicherlich der Katalysator, aber allgemein gibt es in Schweden ein großes Euroskeptisches Potential. In keinem anderen Mitgliedsstaat ist das Europaskeptische Gefälle zwischen Eliten und Bevölkerung größer. Da das Pirate Bay Urteil bzw. die Gesetzesgrundlage dahinter auf der Implementierung einer EU-Gesetzesvorlage beruht, ist durchaus logisch dass eine solche Protestpartei einen relevanten Zuspruch erhält.
Meine Stimme hat die ödp bekommen - manche mögen das zwar für eine verschenkte Stimme halten, aber die großen Parteien kamen für mich als Gegner des Lissabon-Vertrags und teilweise auch der EU allgemein nicht in Frage.
Eine solche Wahlentscheidung ist natürlich schade, denn weder der Lissabon-Vertrag noch der permissive Konsens zur Europäischen Integration standen hier zur Wahl. Diese Wahlkriterien kannst du bei der Bundestagswahl anlegen, denn die Vertragswerke und die Entwicklung der EU im allgemeinen liegen in den Händen des Europäischen Rates. Das sind Frau Merkel, Herr Sarkozy und Co.
Insofern ist es natürlich schon eine verschenkte Stimme.
Bei der Europawahl sind die Linken erste Option. Ich mag Europa in der Form wie es existiert nicht.
Hier kann ich eigentlich auch das gleiche sagen wie bei Jens. Das sind Bundestagswahl-Wahlkriterien. Das Europäische Parlament, was hier zur Wahl stand, spielt eine andere Rolle im Mehrebenensystem der EU als der Bundestag in Deutschland tut. Aufgrund des völligen Fehlens eines Iniativrechts ist das Europäische Parlament genau der
denkbar schlechteste Ort im EU-System, um eure Vorlieben durchzusetzen.
Zur Wahl der Linken sei gesagt, dass dort der interne Diskurs über die perspektivisiche Ausrichtung der Partei bereits begonnen hat. Die Partei hat im Grunde nur zwei Möglichkeiten, entweder sie folgt der Entwicklung, die die Grünen in den 90er Jahren durchgemacht haben, und wird sich Europa öffnen und zu einer konstruktiven und koalitionsfähigen Partei werden, oder sie verharren als Protestpartei und werden in 10 Jahren bundespolitisch endgültig keine Rolle mehr spielen.
Mir geht es leider oft so, daß es die Partei die ich eigentlich voller Überzeugung wählen würde garnicht gibt.
Das geht doch jedem so. Schau dir die Parteitage an, wie oft man sich dort gegenseitig zerfleischt. Nichtmal Parteimitglieder gehen mit ihren Parteien zur völligen 100% konform, denn unser politisches System basiert in allen Ebenen auf Kompromissen, auch innerhalb der Parteien selber.
Als Wähler ist es oft schwer, eine Wahlentscheidung ohne Bauchschmerzen zu treffen, man muss eben gegeneinander abwägen, welche Themen einem am wichtigsten sind und mit welcher Stimme man sie im ehesten erreicht.